12 Tipps zum Radfahren lernen

Möchten Sie Ihrem Freund oder Ihrer Nachbarin helfen, das Radfahren zu lernen?
Möchten Sie einem Flüchtling ein Fahrrad schenken, aber: er kann gar nicht Radfahren?
Dann empfehlen Sie Ihrem Freund/Ihren Nachbarin/dem Flüchtling, sich in einer Radfahrschule zu einem Kurs anzumelden. 

Falls Sie keinen passenden Kurs in Ihrer Nähe finden: Mithilfe der folgenden 12 Tipps können Sie einen absoluten Radfahr-Neuling dabei unterstützen, das Radfahren zu erlernen. Lesen Sie sich bitte alle 12 Tipps durch und probieren Sie die beschriebenen Aufgaben und Übungen am besten erst mal selbst aus, bevor Sie Ihren individuellen „Radfahrkurs“ starten. 

Diese Tipps sollen eine „Erste Hilfe” sein. Sie ersetzen keinen professionellen Radfahrkurs. Das Radfahren lernen ist ein komplizierter Prozess. Gerade wenn man es als Erwachsener lernt, kann es ein langer Weg sein. Hier einem professionellen Trainer mit zahlreichen Hinweisen und Übungen zu vertrauen, das richtige Material zum richtigen Zeitpunkt in den unterschiedlichen Lernschritten zur Verfügung zu haben, gewährleisten ADFC-Radfahrschulen. Deshalb ist auch ein weiter Weg in eine andere Stadt zu einer ADFC-Radfahrschule eine gute Lösung.

Tipp 1: Nehmen Sie den Radfahr-Anfänger ernst

Tipp 2: Suchen Sie ein passendes Rad und schrauben Sie die Pedale ab

Tipp 3: Achten Sie auf die richtige Bekleidung

Tipp 4: Suchen Sie einen geeigneten Platz

Tipp 5: Nehmen Sie sich Zeit und nicht zuviel vor

Tipp 6: Stellen Sie sich ein Kind auf einem Roller oder einem Laufrad vor

Tipp 7: Lassen Sie den Fahranfänger das Rad kennenlernen

Tipp 8: Probieren Sie das Radfahren zuerst ohne Pedale

Tipp 9: Üben Sie das Bremsen vor dem Fahren

Tipp 10: Probieren Sie mal Rollern

Tipp 11: Tritt für Tritt zum Radfahren

Tipp 12: Tipps zum Radfahren üben

Links 


Tipp 1: Nehmen Sie den Radfahr-Anfänger ernst

Glauben Sie Ihrem Freund, Ihrer Nachbarin, dass er/sie tatsächlich nicht Radfahren kann. Beglückwünschen Sie ihn/sie zu ihrem/seinem Entschluss, Radfahren lernen zu wollen. Sagen Sie: "Tolle Idee. Ich helfe Dir." Sagen Sie nie: "Radfahren kann doch jedes Kind" oder "Radfahren verlernt man nicht".


Tipp 2: Suchen Sie ein passendes Rad und schrauben Sie die Pedale ab

Auch mit Jugendrädern können Erwachsene das Radfahren lernen. Foto: Thorsten Böhm

Gut geeignet zum Radfahren lernen ist ein Rad mit einem tiefen Durchstieg. Wenn Sie die Wahl haben zwischen einem Rad mit Rücktrittbremse und einem ohne, nehmen Sie das Rad ohne Rücktrittbremse. Wenn Sie die Wahl zwischen verschieden großen Rädern haben, versuchen Sie es zuerst mit dem kleineren Rad.

  • Suchen Sie Werkzeug, um die Pedale abschrauben und die Sattelhöhe verstellen zu können. Denken Sie auch an eine Luftpumpe.
  • Stellen Sie den Sattel so tief wie möglich. Wenn der Sattel dann auf dem Gepäckträger klemmt, montieren Sie den Gepäckträger ab, damit Sie den Sattel noch tiefer stellen können.
  • Schrauben Sie beide Pedale ab. (Linkes Pedal zum Lösen nach rechts abschrauben. Beim rechten Pedal nach links schrauben.)
  • Wenn das Rad eine Gangschaltung hat, stellen Sie einen mittel-leichten Gang ein.
  • Bringen Sie auch Ihr eigenes Rad mit, damit Sie auch mal etwas vorführen können.

Tipp 3: Achten Sie auf die richtige Bekleidung

Fürs Radfahren lernen braucht man keine besondere Bekleidung. Aber ein paar Dinge sollte man trotzdem beachten.

Schuhe: Die Schuhe sollten fest am Fuß sitzen und eine möglichst rutschfeste Sohle haben. Sneaker oder Turnschuhe sind gut geeignet. Die Schnürsenkel-Schleife am besten in den Schuh stecken, damit sie sich nicht am Rad verhaken kann. Sandalen und Flip-Flops sind für Anfänger nicht so gut geeignet.

Hose: Bequeme Jeans, Leggings oder Jogginghosen sind gut geeinet. Wenn die Hosenbeine sehr weit sind oder am Saum Aufschläge haben, müssen sie sorgfältig zusammengesteckt werden. Das geht gut mit speziellen Hosenklammern oder -Bändern. Oder Sie falten das Hosenbein außen am Knöchel zusammen und stecken es mit einer Wäscheklammer fest. Eine gepolsterte Radhose ist natürlich komfortabler als eine Jeans. Man kann so eine Radhose auch unter einer normalen Hose tragen. Aber, wie gesagt, eine normale Hose tut es auch.

Handschuhe: Engsitzende (Leder-)Handschuhe (z.B. Montage-Handschuhe aus dem Baumarkt) sind praktisch. Damit kann man sicher den Fahrradlenker greifen. Ideal sind Radfahrhandschuhe (mit oder ohne Finger, mit gepolsterter Handinnenfläche). Achten Sie darauf, dass der Fahranfänger die Radfahrhandschuhe richtig herum anzieht: Die gepolsterte Fläche sitzt innen auf der Handfläche. Der Klettverschluss sitzt oben auf dem Handgelenk/dem Handrücken.


Tipp 4: Suchen Sie einen geeigneten Platz

Die Fläche muss frei von (Auto-)Verkehr sein. Der Platz/die Fläche kann asphaltiert sein oder einen anderen gut befahrbaren Belag haben. Ideal ist es, wenn der Platz nicht von außen einsehbar ist. Bitte fragen Sie im Zweifel nach, ob Sie den Platz benutzen dürfen.

Auch in einem Park kann man (an einem Werktag) gut Radfahren lernen. Am Wochenende ist es im Park oft zu voll.


Tipp 5: Nehmen Sie sich Zeit und nicht zuviel vor

Pausen sind wichtig beim Radfahren lernen auf einem Übungsplatz. Foto: Thorsten Böhm

Bis ein absoluter Anfänger die erste Runde mit dem Rad dreht, wird es mehrere Stunden oder mehrere Tage dauern.

Machen Sie es nicht so:

Sie haben vielleicht schon von folgender Methode gehört: Der Fahrradneuling setzt sich aufs Rad, ein Helfer hält das Rad am Gepäckträger fest und ruft: "Jetzt einfach treten! Keine Angst, ich halte Dich!" Oft endet dieser Versuch so: Der Fahrradneuling kriegt das mit dem Anfahren und Treten auch beim zehnten Versuch nicht hin. Dann schlägt ihm auch noch das Pedal an die Wade und er hat die Nase voll vom Radfahren, bevor er das erste Mal gerollt ist.

Radfahren lernen ist keine Mutprobe. Und "Beibringen" geht auch nicht. Fahranfänger müssen selbst in kleinen Schritten lernen und neue Bewegungen ausprobieren.


Tipp 6: Stellen Sie sich ein Kind auf einem Roller oder einem Laufrad vor

Auch Erwachsene, die Radfahren lernen, fangen mit Laufradeln an. Foto: M. Muecke

Bei Ihrem individuellen "Radfahrkurs" können Sie sich daran orientieren, wie Sie selbst das Radfahren gelernt haben.

Aber: Halt! Stop!
Bevor Sie gleich losstürzen, überlegen Sie mal, was Sie alles gelernt haben, bevor Sie Ihr erstes großes Rad bekommen haben. Vielleicht war das so: Ihr erstes "Fahrzeug", eine bunte Ente auf Rollen, haben Sie durch die ganze Wohnung geschoben. Sie haben mit dem Bobbycar Geschwindigkeit erlebt. Sie sind auf Baumstämmen balanciert. Sie waren mit einem Laufrad unterwegs. Sie sind mit dem Roller durch die Gegend geflitzt. Danach haben Sie vielleicht mit einem kleinen Spielfahrrad, bei dem Sie noch mit beiden Beinen "Plattfuß" den Boden erreichen konnten, erste Radfahr-Erfahrungen gesammelt. Und als Sie später das erste richtige Fahrrad bekommen haben, hatten sie schon so viel gelernt, dass Sie mit diesem großen Rad in kurzer Zeit sicher fahren konnten.
Ihr individueller "Radfahrkurs" könnte so ähnlich ablaufen. Wichtig sind: Kleine Schritte und ein individuelles Lerntempo.


Tipp 7: Lassen Sie den Fahranfänger das Rad kennenlernen

Lassen Sie dem Anfänger Zeit, das Rad in Ruhe kennenzulernen. Seitenständer, Handbremse – alles ist neu für ihn.

Zeigen Sie zuerst, wie man den Seitenständer aus- und einklappt!

Fordern Sie dann den Anfänger auf, das Rad zu schieben. Denken Sie sich Schiebe-Varianten aus:

  • Rad nur am Sattel anfassen. 
  • "Parcours": Auf einem gezeichneten Parcours schieben. 
  • Lassen Sie den Anfänger auch mal Ihr Rad schieben und dessen Bremsen testen!

Machen Sie zwischendurch ein paar Gleichgewichtsübungen. Stellen Sie sich z.B. miteinem Fuß seitlich auf einen Bordstein und schwingen mit dem anderen Fuß vor und zurück.

Eine kleine Pause kann jetzt nicht schaden!


Tipp 8: Probieren Sie das Radfahren zuerst ohne Pedale

Laufradeln auf einem Rad mit Faltpedalen. Foto: Alessia Mainardi

Nach dem ersten Kennenlernen des Rades kann es losgehen mit dem Lauf-Radeln bzw. Geh-Radeln.
Dazu können Sie ein Fahrrad ohne Pedale und mit ganz niedrig gestelltem Sattel wie ein Laufrad benutzen.

Fordern Sie den Anfänger auf, auf dem Sattel sitzend loszugehen und dann auszuprobieren, wie sich die Geschwindkeit steigern lässt. Er kann z. B. folgendes ausprobieren:

  • Nur mit dem linken / nur mit dem rechten Fuß abstoßen
  • Mit beiden Füßen zugleich abstoßen
  • Unterschiedliche Sattelhöhen ausprobieren

Spätestens jetzt ist die erste längere Pause fällig!


Tipp 9: Üben Sie das Bremsen vor dem Fahren

Wer geübt hat, wie er ein Rad sicher zum Stehen bringt, hat weniger Angst vor dem Radfahren.

Mögliche Aufgaben zum Bremsen:

  • Vorderradbremse / Hinterradbremse / Beide Bremsen festhalten und versuchen, das Rad zu schieben
  • Nur Vorderradbremse / Nur Hinterradbremse / Beide Bremsen benutzen
  • Dosiert bremsen / Kräftig bremsen

Tipp 10: Probieren Sie mal Rollern

Rollern auf einem Fahrrad mit nur einem Pedal auf einem Übungsplatz. Foto: Thorsten Böhm
Rollern mit einem Erwachsenenroller auf einem Übungsplatz. Foto: Thorsten Böhm

Rollerfahren ist eine gute Vorübung fürs Radfahren. Wenn Sie einen Roller in Erwachsenengröße zur Verfügung haben, können Sie ihn jetzt zum Einsatz bringen. Aber auch ohne Roller kann man rollern! Schrauben einfach nur ein Pedal wieder ans Rad und fordern Sie den Anfänger auf, das Rad wie einen Roller zu benutzen. Er sollte sich dabei möglichst nicht auf den Sattel setzen.

Mögliche Aufgaben zu Rollern:

  • Rollern und Bremsen.
  • Auf kurvigem Parcours rollern.
  • Rechtsrum / linksrum.
  • Bei einem richtigen Roller kann man auch mal beide Füße auf den Roller setzen.

Rollern, vor allem Rollern auf einem Fahrrad, ist sehr anstrengend. Deshalb braucht der Anfänger jetzt eine Pause und Sie haben Zeit, das eine Pedal wieder ab- und dafür das andere anzuschrauben, damit er auch mal mit dem anderen Bein üben kann.


Tipp 11: Tritt für Tritt zum Radfahren

Wenn der Fahranfänger sich mit dem Rad vertraut gemacht hat, wenn er sicher laufradeln, rollern und bremsen kann, fehlt nur noch ein letzter Schritt vor dem eigentlichen Radfahren: Das Anfahren. Auch hier sollte man es wieder langsam angehen lassen: Schritt für Schritt bzw. Tritt für Tritt.

Zunächst ist es wichtig, dass der Fuß das Pedal findet und es in die richtige Anfahrposition bringen kann.

  • Für Räder ohne Rücktrittbremse: Pedal mit dem Fuß in die Runde bewegen: Sich über das Rad stellen, Bremsen festhalten, Füße mindestens schulterbreit auseinander. Wenn das rechte Pedal angeschraubt ist: Rad leicht nach links neigen, mit dem rechten Fuß das rechte Pedal rückwärts bewegen, immer in die Runde.
  • Für Räder mit Rücktrittbremse: Wenn das linke Pedal angeschraubt ist: Sich links neben das Rad stellen. Rad mit der linken Hand am Lenker halten, mit rechten Hand unter der Sattel greifen und das Hinterrad anheben. Mit dem rechten Fuß das linke Pedal vorwärts drehen.
  • Die richtige Anfahrposition ist gefunden wenn das Pedal fast oben steht (von links gesehen auf 11 Uhr)

Wenn das geklärt ist, kann es losgehen:

  • Im Sattel sitzend anfahren: Zum Anfahren den Fuß auf das oben stehende Pedal stellen. Während man sich mit dem Standbein vom Boden abstößt, tritt der Fuß das oben stehende Pedal runter und beschleunigt das Rad.
  • Erneut anfahren: Das Pedal wieder in Anfahrposition stellen und wieder anfahren.

Zwischendurch das eine Pedal ab- und das andere anschrauben. Wenn Anfahren und Bremsen gut klappen: Beide Pedale anschrauben!

Viele Anfänger können jetzt "spontan" radfahren und die nächste halbe Stunde werden Sie sie nicht mehr vom Rad runter bekommen. Lassen Sie den Anfänger das Glück genießen und freuen Sie sich mit ihm!

Später können Sie dann mit ihm dann weitere Übungen machen. Denn auch wenn das Fahren jetzt gut klappt: Bis zum sicheren Fahren im Verkehr braucht es noch mehr Übung. Die ersten Fahrten sollten dann in Parks unternommen werden, auf breiten Wegen abseits des Autoverkehrs.


Tipp 12: Tipps zum Radfahren üben

Radfahranfänger üben Kurvenfahren auf einem autofreien Platz. Foto: Alessia Mainardi

Erst wenn der Fahranfänger seine ersten Runden auf dem Rad gemeistert hat, können Sie mit Aufgaben beginnen, die Sie vielleicht so oder ähnlich noch aus der Radfahrprüfung in der Schule kennen:

  • Zielgenau bremsen
  • Spur halten, Rechts fahren
  • Kurven fahren
  • Engstellen durchfahren
  • Auf Überraschungen reagieren (Hunde, Hindernisse ...)
  • Klingeln
  • Sich umschauen
  • Richtung anzeigen (Umschauen und Arm rausstrecken bitte immer nacheinander – nie gleichzeitig)
  • In einer kleinen Gruppe hintereinander fahren

Auch hier gilt wieder: Lassen Sie sich Zeit, machen Sie viele Pausen und denken Sie sich abwechslungsreiche Aufgaben aus, die dem Leistungsstand des Fahranfängers entsprechen.


Links

Zum Radfahren lernen (für absolute Anfänger):

Beschreibung des Projekts „Unabhängige Mobilität - aber sicher! Integration er-fahren. Radfahrkurse für Frauen mit Migrationshintergrund“  der Türkischen Gemeinde in Hamburg und Umgebung e.V.: http://www.nationaler-radverkehrsplan.de/praxisbeispiele/anzeige.phtml?id=2191

Im Rahmen dieses Projektes hat Heike Bunte (ADFC Hamburg) ein Handbuch und ein Lernheft erstellt:

Zum Radfahren üben (für Fortgeschrittene):

In der ADFC-Broschüre „Mobil mit Kind und Rad“ finden Sie ab Seite 23 Übungen für Fortgeschrittene: http://www.adfc.de/verkehr--recht/familie--kinder/broschuere/broschuere

Verkehrsregeln vermitteln (für alle Radfahrer): 

Verkehrsregeln theoretisch zu erklären, ist nicht ganz leicht. Bilder helfen dabei sehr. Unter Material zu Verkehrsregeln finden Sie Links zu anschaulichen Bildern und Grafiken, mehrsprachigen Broschüren und zu einem unterhaltsamen, lehrreichen Film.

Wenn Sie Erfahrung im Leiten von Radtouren haben, können Sie Verkehrsregeln auf einer kleinen Radtour vermitteln. Unterwegs können Sie an konkreten Verkehrssituationen vormachen, wie man sich richtig verhält. Alternative: Auf einem abgesperrten Platz Verkehrssituationen mit Kreide aufmalen. Wir haben Tipps für eine Übungsfahrt zusammengestellt.

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